12. Dezember  2019 

Soko Silberpfeil, übernehmen Sie!

Blaue Folierung, um die Zusammengehörigkeit in der EU zu stärken, neongelbe Konturmarkierungen für bessere Sichtbarkeit – bei der farblichen Gestaltung der Polizeifahrzeuge hat man sich etwas gedacht. Aber warum Silber „untenrum“? Ein konzernübergreifendes Daimler-Team machte die Farbe zum Standard für die Branche – dank eines revolutionären Leasing-Konzepts. Click here for the english version!

Die Polizei setzt bei ihrer Flotte auf Mercedes-Benz und das Leasing der Mercedes-Benz Bank – nicht nur im Ländle, sondern in ganz Deutschland.

Leo Parzinger konnte den anstehenden Fuhrparkwechsel kaum erwarten. „Ich mag diese Autos, es sind eben Silberpfeile!“ – mit diesen Worten wird der erfahrene Automechaniker, der die Polizei-Flotte im baden-württembergischen Waiblingen betreute, in der DaimlerChrysler-Mitarbeiterzeitung von März 2001 zitiert. Wenig später waren die ersten der geleasten 3.800 Fahrzeuge mit Stern für die Polizei im Einsatz.

DaimlerChrysler hatte einen denkwürdigen Coup gelandet.

Seit knapp 20 Jahren setzen die Ordnungshüter bei ihrer Flotte auf die schwäbische Automarke und das Leasing der Mercedes-Benz Bank – nicht nur im Ländle, sondern in ganz Deutschland.

Doch wie kam es dazu? Ulrich Kreim war dabei, als der erste große Deal im Jahr 2000 eingefädelt wurde. Heute arbeitet er bei Daimler Mobility im Global Sales & Marketing. Damals stand noch „Geschäftsstellenleiter debis Car Fleet Management“ auf seiner Visitenkarte – der Flottenanbieter gehörte nach dem Zusammenschluss von Daimler und Chrysler wie auch die DaimlerChrysler Bank (später Mercedes-Benz Bank) zu DaimlerChrysler Services. „Ende der neunziger Jahre musste der Fuhrpark der Polizei dringend erneuert werden. Dazu gab es eine europaweite Ausschreibung, und wir machten mit“, sagt Kreim beim Blättern in der Mitarbeiterzeitung. Dort findet sich auch ein Foto der „Soko Silberpfeil“, auf dem Konrad Pfaff (Sonderfahrzeuggeschäfte DaimlerChrysler), Gerd Deißenriether (Landespolizeidirektion Stuttgart II), Michael Bantle (Innenministerium) und er zu sehen sind.

Das beste Angebot gab DaimlerChrysler ab, um genau zu sein die Vertriebsdirektion Stuttgart, und bekam den Zuschlag für 3.600 Pkw und 200 Transporter – das war damals die Hälfte aller Polizeifahrzeuge in Baden-Württemberg. In Berlin hatte sich zuvor ein Daimler-Team um das Angebot gekümmert. Mit dabei war Konrad Pfaff von DaimlerChrysler Vertrieb Deutschland (heute Mercedes-Benz Deutschland) – dort gibt es übrigens nach wie vor eine eigene Abteilung für das Behörden- und Sonderfahrzeuggeschäft – und eben Ulrich Kreim.

Das Konzept war ein Novum und sollte neue Maßstäbe setzen.

Das Schlagwort lautete „Rückrüsten“. Es ging um die Frage, wie Sonderfahrzeuge möglichst ohne großen Aufwand zu Serienfahrzeugen rückgerüstet werden können. Dadurch bekam die Polizei günstige monatliche Leasingraten, und Daimler konnte die Fahrzeuge nach der Rücknahme zu besseren Preisen wiederverkaufen.

Ulrich Kreim war dabei, als DaimlerChrysler einen denkwürdigen Coup gelandet hatte.

Im Detail hieß das: Die Grundfarbe der Fahrzeuge sollte nicht mehr länger weiß sein, wie es seit 1975 üblich war. „Daimler hatte die Idee, die neuen Polizeiautos silber zu lackieren“, sagt Kreim. Silber deswegen, weil der Wiederverkaufswert eines silber lackierten Fahrzeugs nach Leasingende auf dem Gebrauchtwagenmarkt höher ist als der eines weißen. „Damals waren weiße Autos nicht sonderlich gefragt, silber-metallic hingegen war die beliebteste Mercedes-Benz Farbe“, so Kreim. Mit dem Farbwechsel sparte das Land bei jedem Wagen rund 4.500 Mark – so teuer wäre das Umspritzen eines weißen Streifenwagens nach dem Ende der Leasingzeit gewesen.

Hinzu kam: Dank eines speziellen Verfahrens zur Folierung der Fahrzeuge ließ sich das Grün, das später dem „europäischen“ Blau weichen musste, ohne Umlackierung wieder entfernen. Und auch den Dachbalken mit der polizeispezifischen Ausstattung konnte man ohne großen Aufwand abmontieren. Obendrein wurden die Fahrzeuge mit einem Servicevertrag ausgestattet und sie hatten kürzere Leasingzeiten. „Dadurch konnte die Polizei ihre Kosten für lange Haltedauern und eigene Werkstattbetriebe reduzieren“, erklärt Kreim. „Gleichzeitig stieg die sogenannte Turn Rate, also die Umschlagshäufigkeit, was unseren Umsatz ankurbelte.“

Das Leasing-Konzept machte in Polizei-Kreisen schnell die Runde und wurde zum Standard für die ausschreibenden Behörden wie auch die anderen Automobilhersteller, die später das Konzept übernahmen. Laut Michael Bantle vom Innenministerium hatten damals acht weitere Länder die Ausschreibungsunterlagen angefordert. „Das muss man sich mal vorstellen: Allein im ersten Jahr bekamen wir 2.400 neue Fahrzeuge, allesamt Serienautos, bei denen sich Funk, Blaulicht und Klebefolien ohne sichtbare Folgen entfernen lassen!“, schwärmte er in der Mitarbeiterzeitung.

Bei der letzten Übergabe vor der Staatsoper in Stuttgart durfte sich die Polizei über 1.429 neue Leasingfahrzeuge freuen. Von links nach rechts: Christian Bohnenberger und Veronika Naschilewski, Vertrieb Mercedes-Benz Bank, Thomas Strobl, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration des Landes Baden-Württemberg, Dietrich Moser von Filseck, stv. Landespolizeipräsident, Prof. (apl.) Dr. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Verkehrsministerium.

Rückblickend lobt Ulrich Kreim die gute Zusammenarbeit innerhalb des Konzerns. „Die Vertriebskollegen hatten ein tolles Konzept entwickelt und uns als Bank super integriert.“ Fuhrparks dieser Größenordnung seien damals noch eine absolute Ausnahme gewesen. „Es war etwas Besonderes, einen solchen Auftrag an Land zu ziehen, aber die Geschäftsbeziehung über so viele Jahre aufrechtzuerhalten, ist noch eine größere Leistung!“, sagt der Stuttgarter, der 2003 aus dem Flottengeschäft ausstieg. Seine Arbeit führt heute Christian Bohnenberger fort – er ist zuständig für das Behördengeschäft bei der Mercedes-Benz Bank: „Wir sind sehr stolz auf die gute Zusammenarbeit und den Erfolg, die Polizei mit unseren Fahrzeugen ausstatten zu dürfen.“

Bei der Polizei war die Freude über die Anschaffung der „Silberpfeile“ schon vor knapp 20 Jahren groß, wie der Mitarbeiterzeitung von 2001 zu entnehmen ist. „Dieses Auto hat ein immenses Renommee!“, wird der damalige Landespolizeipräsident Erwin Hetger zitiert. Und Automechaniker Leo Parzinger ließ sich zu einer subtilen Liebeserklärung hinreißen, die wohl bis heute Bestand hat: „Die Herren Polizisten sind jetzt auch viel länger unterwegs!“  

Holger Kirsch

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Oliver Wihofszki

Leiter Unternehmenskommunikation
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